“Fake Roomie”

von Anya Omah

Diese Rezension kann Spoiler erhalten.

„Fake Roomie“ war mein erstes Buch von Anya Omah und ich war schon sehr gespannt auf die Geschichte. Zunächst dachte ich, mich würde eine einfache und lockere RomCom erwarten, denn das Cover und der Titel haben dies zunächst vermuten lassen. Auch der Klappentext ließ mich annehmen, dass es sich um eine leicht verdauliche Liebesgeschichte handelt. Doch ich wurde durch den unerwarteten Tiefgang der Handlung positiv überrascht.  Das Buch enthält eine Content Note, allerdings gibt es im Hörbuch leider kein Hinweis darauf. Daher ist es mir wichtig dies hier in meiner Rezension mitaufzunehmen. Das Buch behandelt die folgenden Aspekte: Verlust von Familienmitgliedern, Trauer, sexuelle Übergriffe, Emetophobie, Mobbing, Alkohol- und Cannabiskonsum. Diese Themen verleihen der Geschichte eine emotionale Schwere, die mich in ihren Bann gezogen hat.



Klappentext

Seit der Highschool gibt es für Amy und Cameron fünf unumstößliche Regeln:

1. Wir sind nur Freunde.
2. Wir dürfen uns nicht nackt sehen.
3. Wir küssen uns niemals auf den Mund.
4. Wir schlafen nicht miteinander.
Und 5. Wir verlieben uns nicht!

Fünf einfache Regeln – und ein Deal, der zum Verstoß jeder einzelnen führen könnte. Denn als Amy bei der Besichtigung ihres Traumhauses erfährt, dass Paare bevorzugt werden, bittet sie ihren besten Freund um einen Gefallen: Cameron soll sich als ihr Verlobter ausgeben und mit ins Haus ziehen.

Womit nicht nur Regelbrüche bevorstehen, sondern auch jede Menge Gefühlschaos vorprogrammiert ist …



Schreibstil

Anya Omahs Schreibstil ist sehr detailreich und bildlich, was es mir leicht machte, in die Geschichte einzutauchen. Sie hat die Fähigkeit, Szenen so lebendig zu beschreiben, dass ich mich oft mitten im Geschehen fühlte. Ihr angenehmer und fließender Stil ermöglichte es mir, der Handlung gut zu folgen, ohne dass ich jemals das Gefühl hatte, dass die Erzählung ins Stocken gerät. Die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit ist ihr hervorragend gelungen. Durch die bildlichen Beschreibungen konnte ich die Emotionen der Charaktere nachempfinden und mich in ihre Welt hineinversetzen.

Inhalt

Der Einstieg in „Fake Roomie“ mit dem Prolog war recht dramatisch und kam für mich sehr überraschend (ich hatte ja die Content Note nicht gelesen). Die Geschichte beginnt Jahre nach einem einschneidenden Ereignis der Protagonistin Amy. Die erste Hälfte des Buches besteht aus zwei Handlungssträngen: Der eine wird aus Amys Sicht in der Gegenwart erzählt, während der andere in Rückblenden aus Camerons Perspektive wiedergegeben wird. Diese Erzählweise ermöglichte es mir, tief in die Freundschaft der beiden einzutauchen und zu verstehen, was sie gemeinsam durchgemacht haben und wie sich ihre Beziehung im Laufe der Jahre entwickelt hat. Trotz der ernsten Themen ist die Geschichte auch voller Humor, insbesondere in den frühen Kapiteln, die mit witzigen Szenen gespickt sind, bei denen ich oft laut lachen musste. Ein wenig schade fand ich, dass die gefakte Beziehung, die Amy und Cameron eingehen, eigentlich gar nicht wirklich notwendig war. Zwar kündigen sie diese Beziehung groß bei Camerons Eltern an, aber danach kommt keine Situation zustande, in der sie ihre Beziehung wirklich „faken“ müssen. Ich finde, die Autorin hätte, die eine oder andere Szene durchaus leicht miteinbauen können, wie zum Beispiel ein Aufeinandertreffen mit der Eigentümerin. Ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin dies besser ausgebaut hätte, denn der „Fake Dating“-Trope wurde meiner Meinung nach nicht ideal umgesetzt. Dennoch war es eine emotionale Geschichte und man fieberte dem Happy End förmlich entgegen. Denn wenn jemand ein glückliches Ende verdient hat, dann sind es Amy und Cameron.

Charaktere

Cameron ist der Inbegriff eines „Book Boyfriend“ und ein fantastischer bester Freund. Er ist aufopferungsvoll, erfolgreich in seinem Job und immer für Amy da – sei es emotional oder als Retter in der Not bei einem miesen Date. Seine unterdrückten Gefühle für Amy, die er aufgrund ihrer selbst auferlegten Regeln nicht zeigen kann, stellen ihn immer wieder auf die Probe. Um sich abzulenken, sucht er sich kurzfristige Ablenkungen mit anderen Frauen, die jedoch nur von kurzer Dauer sind. Amy hingegen hat in ihrer Kindheit ihre Mutter und kurze Zeit später auch ihren Vater und Bruder bei einem Hausbrand verloren. Diese traumatischen Erlebnisse haben sie geprägt und sie kämpft bis heute mit Schuldgefühlen und Trauer. Ihre Verlustängste führen dazu, dass sie ihre Gefühle für Cameron verdrängt, da sie ihn als besten Freund und emotionale Stütze nicht verlieren möchte. Im Laufe des Buchs, gab es ein paar Reaktionen von Amy, die ich nicht ganz nachempfinden konnte und die ich teilweise auch als kindisch empfunden habe. So ist sie Cameron mehrmals absichtlich aus dem Weg gegangen, obwohl sie genau wusste, dass so ein Verhalten seine Gefühle verletzt. Im Laufe der Geschichte stellt sie sich jedoch ihren Ängsten und findet mit Hilfe von ein paar Schubsern von Liz, Yvy und Dr. Rivers den Mut, sich auf Cameron einzulassen und ihm ihre Gefühle zu zeigen. Die wenigen Nebencharaktere spielen nur eine kleine Rolle in der Geschichte. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr ausgebaut und besser in die Handlung integriert werden. Vor allem von Camerons Dad war ich ein großer Fan.


Meine Bewertung

Die beiden Hörbuchsprecher Frances Neubauer und Flemming Stein haben einen großartigen Job gemacht. Ihre Stimmen ergänzen sich wunderbar und haben das Hören des Buches zu einem Vergnügen gemacht. Das Spice Niveau erhält von mir 2 von 5 Chillis. Insgesamt erhält die Geschichte „Fake Roomie“ 3,5 Sterne von mir. Dieses Buch wird definitiv nicht das letzte Werk von Anya Omah sein, das ich lesen oder hören werde.